Hintergrund: Diktaturopfer Marianela Galli berichtet über Familienschicksal

Am 28. Mai 2010 sagte Marianela Galli, Menschenrechtsaktivistin der Organisation H.I.J.O.S. und Klägerin am ESMA-Tribunal, vor den Bundesgerichten in Buenos Aires über die Verschleppung ihrer Familie im Jahre 1977 aus. Die deutschstämmige Marianela ist das einzige Familienmitglied, das die Verschleppung überlebt hat.

Am 12. Juni 1977 wurde die damals eineinhalbjährige Marianela zusammen mit ihren Eltern, Mario Galli Wagner, 25 und Patricia Teresa Flynn, 22, und ihrer Großmutter Felisa Violeta Wagner, 54, aus ihrer Wohnung in Aranguren 548, Buenos Aires, entführt. Sie wurden in das damals geheime Folterzentrum der Kaserne Escuela Mecánica de la Marina (ESMA) gebracht und dort gefoltert. Am Ende ihrer Aussage vor dem ESMA-Tribunal richtete Marianela Galli sich eindringlich an die Zuhörer: „Wir müssen die Regeln der Demokratie achten, damit sich so etwas niemals wiederholt. Meine Eltern und meine Großmutter waren sehr gute Menschen... Mein Vater war ein Patriot und kein Verräter. Die Unterdrücker haben ihn schwer gefoltert; diese sind die wahren Verräter."

Mario Galli Wagner war ein ehemaliger Marineoffizier, der wegen seiner demokratischen Ansichten als Verräter von der Marine ausgeschlossen wurde. Daraufhin engagierte er sich bei linksgerichteten politischen Organisationen wie den Juventudes Peronistas und den Montoneros. Seine Frau Patricia Teresa war Lehrerin und bis zu Marianelas Geburt auch in politischen und sozialen Bewegungen aktiv. Zum Zeitpunkt der Verschleppung war sie schwanger. Die deutschstämmige Großmutter Marianelas, Felisa Violeta Wagner, war die Geschäftsführerin der Firma Ferrostaal.

Im Lager der ESMA wurden die drei Frauen in einem Raum festgehalten, der Capuchita genannt wurde, während Mario Galli immer wieder an verschiedenen Orten gefoltert wurde, wie zum Beispiel dem Edificio Libertad (übersetzt etwa: „Haus der Freiheit") oder der Villa Adelina. Drei Tage nach der Entführung wurde Marianela zu ihrer Tante gebracht, ihre Familie wurde weiter gefangen gehalten. Am 10. August 1977 verschwanden Mario, Patricia Teresa und Felisa Violeta aus dem ESMA-Lager. Vermutlich wurden sie auf einem so genannten Vuelo de la muerte („Todesflug") unter Drogen gesetzt und über dem offenen Meer aus einem Militärflugzeug gestoßen. Sie gelten bis heute als vermisst.

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