ECCHR-Prozessbeobachtung
Seit Dezember 2009
beobachtet das ECCHR die zur Zeit laufenden Hauptverhandlungen vor
argentinischen Bundesgerichten gegen ehemalige Militärs wegen der
Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur (1976 bis 1983).
Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck, Generalsekretär des ECCHR, Sprecher sowie einer
der Anwälte der„Koalition gegen Straflosigkeit.
Wahrheit und Gerechtigkeit für die deutschen Verschwundenen in Argentinien" (Infos hier) berichtet gemeinsam mit der Berliner Filmemacherin Alexandra Weltz (Parkafilm) mit einem Videoblog. Die Übersetzung besorgte Alke Jenss. Hintergründe, weitere Informationen und Links finden Sie hier.
Interview mit Herta Däubler-Gmelin über Argentinien und das internationale Strafrecht
Herta Däubler-Gmelin -
Rechtsanwältin, Dr. jur, Prof. h.c. (FU Berlin) im Gespräch über die Verfolgung
von Menschenrechtsverletzungen damals und heute. Von 1972 bis 2009 war sie
Mitglied des Deutschen Bundestages, zuletzt von 2005 bis 2009 Vorsitzende des
Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. In ihrer Amtszeit als
Bundesjustizministerin (1998-2002) wurde das Völkerstrafgesetzbuch
verabschiedet.
Die verschwundenen Arbeiter von Mercedes Benz
In dem Verfahren wegen des geheimen Haftlagers Campo de Mayo werden auffallend viele Fälle von Opfern mit gewerkschaftlichem Hintergrund verhandelt. Einer der Nebenkläger und insgesamt 130 Zeugen ist Héctor Ratto, ein ehemaliger Gewerkschaftsaktivist bei Mercedes-Benz in González Catán. Innerhalb des Mercedes-Werkes gab es einen starken unabhängigen Betriebsrat, der sich für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen einsetzte. Ratto wurde selber im August 1977 entführt und gefoltert und wurde dabei Augenzeuge illegaler Gefangennahmen und Verschleppungen einiger seiner Kollegen, die teilweise unter Beteiligung von Managern des Unternehmens geschahen.
Hintergrund: Diktaturopfer Mariana Galli berichtet über ihr Familienschicksal
Marianela Galli ist Aktivistin der
Menschenrechtsorganisation H.I.J.O.S. und Nebenklägerin im Esma-Prozess.
Gemeinsam mit ihrem Vater, dem Marineoffizier Mario Guillermo Galli und ihrer
Mutter Patricia Teresa Flynn sowie ihrer Großmutter Felisa Wagner wurde sie am
12. Juni 1977 in Buenos Aires von Militärs entführt. Marianela überlebte als
einziges Familienmitglied die Entführung.
Prozesseröffnung im Fall Elisabeth Käsemann
Am 26.
Februar 2010 wurde vor dem 4. Bundesgericht in Buenos Aires der Prozess wegen
Fällen von Folter und Mord im Haftlager „El Vesubio" eröffnet. In diesem
Lager war auch die junge Deutsche Elisabeth Käsemann nach ihrer Entführung am
9. März 1977 inhaftiert und gefoltert worden. Am 24. Mai desselben Jahres wurde
Elisabeth Käsemann zusammen mit 15 anderen Gefangenen in Monte Grande mit vier
Schüssen ermordet. In Deutschland hatte die Koalition gegen Straflosigkeit,
einem Netzwerk von Menschenrechts-, Juristen- und kirchlichen Organisationen,
dem auch das ECCHR angehört, den Fall Käsemann 1998 zur Anzeige gebracht.
Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel im Gespräch: "Die Militärs haben das nicht allein gemacht."
Adolfo Pérez Esquivel, Mitbegründer der 1998 in Deutschland entstandenen
Koalition gegen Straflosigkeit, leitet seit 1974 den Dienst für Frieden
und Gerechtigkeit (SERPAJ), der sich mit gewaltfreien Mitteln für Menschenrechte
einsetzt. Während der Militärdiktatur wurde er 1977 in Buenos Aires
festgenommen, 14 Monate inhaftiert und gefoltert. Er erhielt 1980 den
Friedensnobelpreis und ist seitdem weltweit einer der bedeutendsten
Menschenrechtler.
In diesem Interview berichtet er über konkrete Strategien der Menschenrechtsarbeit, weist auf die Mitverantwortung transnationaler Unternehmen an den Gräueltaten während der Diktatur hin und betont das Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Erinnerung.
In diesem Interview berichtet er über konkrete Strategien der Menschenrechtsarbeit, weist auf die Mitverantwortung transnationaler Unternehmen an den Gräueltaten während der Diktatur hin und betont das Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Erinnerung.
Erste Eindrücke von der Eröffnung des Campo de Mayo-Prozesses
Wegen der Menschenrechtsverletzungen in dem militärischen Komplex Campo de Mayo wurde
eines der größten Ermittlungsverfahren der argentinischen Justiz
eingeleitet. Von den mehreren Tausend dort geheim gefangen gehaltenen
und gefolterten Regimegegnern überlebten nur wenige. Die mündliche Hauptverhandlung wegen der Anklagepunkte der
Freiheitsberaubung, Folter, Mord und weiterer Verbrechen, begann am 2.
November 2009 vor dem Bundesgericht San Martín in der Provinz Buenos
Aires. Einer der Nebenkläger und insgesamt 130 Zeugen ist
Héctor Ratto, ein ehemaliger Arbeiter bei Mercedes-Benz in González
Catán (Buenos Aires), der Augenzeuge illegaler Gefangennahmen und
Verschleppungen einiger seiner Kollegen unter Beteiligung von Managern
des Unternehmens wurde.
Die psychologische Bedeutung der Prozesse
Im Menschenrechtssekretariat des argentinischen Justizministerium leitet
Fabiana Rousseaux ein Projekt, das sich mit den bis heute andauernden
Folgen der Militärdiktatur auseinandersetzt. Im Mittelpunkt der Arbeit
steht die Unterstützung für Folteropfer und ihre Familien. Diese werden
psychologisch betreut und bei ihren Aussagen bei Gericht begleitet. Das
Projekt will die flächendeckende medizinische Versorgung der von Folter
Betroffenen durch den argentinischen Staat durchsetzen.
Prozesseröffnung im Fall ESMA
In dem Großverfahren ("mega causa" - Fall
14.217/203) stehen Verbrechen, die im Gefängnis- und Folterzentrum in der
Escuela Mecánica de la Armada (E.S.M.A.) zwischen dem 24. März 1976 und dem 10.
Dezember 1983 begangen wurden, zur Anklage. Die mündliche Hauptverhandlung
läuft seit dem 11. Dezember 2009 vor dem Bundesgericht Nr.5 (Tribunal Oral
Federal nº5) in Buenos Aires.
Marcha de la resistencia
Wie in den vergangenen
32 Jahren demonstrieren am 10. Dezember die Mütter des Verschwundenen als
Anklage und Erinnerung für ihre Kinder, Männer und Angehörigen mit einer
stundenlangen Demonstration vor dem Präsidentenpalast. Dem Mut und Engagement der
Madres ist es zu danken, dass die Verbrechen einer der grausamsten
Militärdiktaturen in Südamerika international bekannt wurden. Dafür mussten
einige der Madres mit dem Leben bezahlen, darunter die Gründerinnen, Azucena
Villaflor und Maria Bianco, als auch sie verschleppt und getötet wurden.
Eintreten für die Opfer - Interview mit dem Rechtsanwalt Rodolfo Yanzon
Rodolfo Yanzon ist der
langjährige Rechtsanwalt der deutschen Folteropfer und Verschwundenen in
Argentinien. Er vertritt darüber hinaus zahlreiche Verletzte in allen großen
Diktaturverfahren. Auf Einladung des ECCHR befand er sich im November 2009 in
Brüssel und Berlin, wo das vorliegende Interview mit ihm geführt wurde.
Der lange Weg zur Wiederaufnahme der Militärdiktaturprozesse
Das European Center for
Constitutional and Human Rights (ECCHR) organisierte eine Veranstaltung mit dem
Menschenrechtsanwalt und Generalsekretär des ECCHR Wolfgang Kaleck und dem argentinischen Anwalt
Rodolfo Yanzon, der die Vertretung der Opfer übernimmt. Sie erzählen über die Vorgeschichte und geben einen Zwischenbericht zum Stand der Verfahren gegen Folterer aus der Zeit der
argentinischen Militärdiktatur von 1976-1983.